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Wenn Namen wieder sichtbar werden

stolpersteine

BAD EMS. Mit Tüchern und viel Aufmerksamkeit machten Schülerinnen und Schüler der Realschule plus Bad Ems-Nassau die Stolpersteine in der Stadt wieder sichtbar. So viele Jugendliche wie noch nie beteiligten sich an der Reinigungsaktion. Dabei ging es nicht allein um blankes Messing: Die Namen auf den Steinen erinnern an Menschen, die einst in Bad Ems lebten und vom nationalsozialistischen Regime verfolgt und ermordet wurden.

Stolpersteine sind kleine Messingtafeln im Gehweg. Sie erinnern an Menschen, die während der NS-Zeit verfolgt wurden, und liegen meist vor ihrem letzten frei gewählten Wohnort. Die Inschriften nennen Namen und Lebensdaten – und machen so aus der Geschichte einzelner Menschen ein sichtbares Gedenken mitten im Alltag. 

Auch die jüdische Geschichte Bad Ems’ wurde während des gemeinsamen Weges lebendig. Herr Dorr  von der jüdischen Gemeinde berichtete den Jugendlichen vom jüdischen Leben in der Stadt. Herr Augst von der Bürgerstiftung ergänzte die Einblicke um weitere Aspekte der Bad Emser Stadtgeschichte. Die frühere Synagoge in der Römerstraße wurde 1837 erbaut, während des Novemberpogroms 1938 geschändet und 1955 abgerissen. 

Ein besonderer Moment der Aktion war die Vorstellung des neuen Stolperstein-Comics. Mithilfe der Bürgerstiftung konnte die Schule 100 Exemplare drucken lassen. Der Comic erzählt von den Stolpersteinen und der Geschichte, an die sie erinnern. Am 9. November wird er bei der Gedenkveranstaltung in der Brunnenhalle erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Anschließend soll er an Kirchen, Bildungsträger, Parteien und weitere Interessierte verteilt werden.

Die Aktion blieb auch Passantinnen und Passanten nicht verborgen. Einige blieben stehen, kamen mit den Jugendlichen ins Gespräch und wollten mehr über die Bedeutung der Stolpersteine erfahren. So wurde aus dem Putzen ein gemeinsames Erinnern – mit Fragen, Erklärungen und Begegnungen mitten in der Stadt.

Stolz ist die Schule besonders auf die große Beteiligung und das respektvolle Miteinander der Jugendlichen. Ihr Engagement zeigt, dass Erinnerungskultur nicht nur in Büchern oder an Gedenktagen stattfindet, sondern auch durch gemeinsame Arbeit und Gespräche weitergetragen wird.

Am 9. November werden ausgewählte Schülerinnen und Schüler die Realschule plus Bad Ems-Nassau bei der ökumenischen Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an das Novemberpogrom würdig vertreten. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr in der Brunnenhalle von Häcker’s Grandhotel. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern des Goethe-Gymnasiums werden sie die Biografie einer jüdischen Persönlichkeit vorstellen. 

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