Schülerinnen und Schüler der Realschule plus Bad Ems Nassau entwickeln Ideen für ihre Heimatstadt – Austausch mit Welterbe-Koordinatorin Julia Palotas
Bad Ems. Wie sieht die Zukunft von Bad Ems aus? Was wünschen sich junge Menschen für ihre Heimatstadt? Und wie lassen sich die Bewahrung des UNESCO-Welterbes, die Interessen der Jugendlichen und eine lebendige Stadtentwicklung miteinander verbinden? Mit diesen Fragen beschäftigen sich derzeit Schülerinnen und Schüler der Realschule plus Bad Ems Nassau im Rahmen ihres Projekts „Demokratie im Welterbe – Wir und Bad Ems“.
Am Donnerstag, 22. Oktober, begrüßten die Jugendlichen mit Julia Palotas eine der Ansprechpartnerinnen für das UNESCO-Welterbe in Bad Ems zu einem intensiven Austausch. Dabei wurde schnell deutlich: Die jungen Menschen haben nicht nur viele Ideen für ihre Stadt, sondern möchten sich auch aktiv an deren Zukunft beteiligen.
Demokratie beginnt vor der eigenen Haustür
Dem Besuch war bereits eine intensive Beschäftigung mit der eigenen Heimatstadt vorausgegangen. Im Gesellschaftslehreunterricht hatten sich die Schülerinnen und Schüler mit Bad Ems, seiner Geschichte, seiner besonderen Bedeutung als Teil des UNESCO-Welterbes und den Möglichkeiten demokratischer Mitgestaltung beschäftigt.
Ein wichtiger Bestandteil der Vorarbeit war eine Befragung von Menschen in Bad Ems. Die Jugendlichen wollten wissen, wie die Bürgerinnen und Bürger ihre Stadt wahrnehmen, was ihnen besonders gefällt und wo sie Verbesserungsmöglichkeiten sehen. Die Ergebnisse wurden anschließend im Unterricht ausgewertet und diskutiert.
Dabei wurde deutlich, dass Demokratie keineswegs nur in Parlamenten oder bei Wahlen stattfindet. Sie beginnt bereits dort, wo Menschen ihre Meinung äußern, unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen und gemeinsam nach Lösungen gesucht wird.
Viele Wünsche – und erstaunlich konkrete Vorschläge
Im nächsten Schritt waren die Schülerinnen und Schüler selbst gefragt. Unter dem Motto „Meine Wünsche für Bad Ems“ verfassten sie persönliche Briefe mit ihren Vorstellungen für eine jugendfreundliche und lebenswerte Stadt.
Die Ergebnisse zeigen, wie intensiv sich die Jugendlichen mit ihrem unmittelbaren Lebensumfeld auseinandersetzen.
Ganz oben auf der Wunschliste stehen mehr Treffpunkte für Jugendliche, attraktive und möglichst kostenlose Freizeitangebote, ein moderner Skatepark, Sportplätze und bessere Busverbindungen. Auch ein Jugendcafé, ein Kino und zusätzliche Einkaufsmöglichkeiten wurden vorgeschlagen.
Daneben beschäftigen die Jugendlichen ganz praktische Fragen: Warum fahren manche Busse so selten? Weshalb fehlen an einigen Stellen sichere Radwege? Wie könnte die Innenstadt noch einladender werden? Und wie lassen sich die Lahn und die Grünanlagen besser vor Verschmutzung schützen?
Bemerkenswert ist, dass die jungen Menschen keineswegs nur ihre eigenen Interessen im Blick haben. Sie wünschen sich auch mehr Barrierefreiheit, eine gute medizinische Versorgung, bessere Angebote für ältere Menschen und vor allem bezahlbare Freizeitmöglichkeiten für Familien mit geringem Einkommen.
Aus den zahlreichen Einzelbeiträgen entstand schließlich ein gemeinsamer Brief der Schülerinnen und Schüler der Realschule plus Bad Ems Nassau, in dem die Wünsche, Anregungen und Ideen gebündelt wurden.
Welterbe ist mehr als die Vergangenheit
Beim Besuch von Julia Palotas rückte nun eine weitere spannende Frage in den Mittelpunkt: Was bedeutet es eigentlich, in einer Stadt zu leben, die zum UNESCO-Welterbe gehört?
Die Schülerinnen und Schüler erfuhren mehr über die Aufgaben der Welterbe-Koordination, die Bedeutung des historischen Stadtbildes und die Verantwortung, die mit dem besonderen internationalen Status von Bad Ems verbunden ist.
Dabei ging es nicht nur um den Erhalt historischer Gebäude und Anlagen, sondern auch um das Spannungsfeld zwischen Denkmalschutz, Stadtentwicklung und den Bedürfnissen der Menschen, die hier leben.
Wie kann eine historische Stadt gleichzeitig modern und jugendfreundlich sein? Welche Veränderungen sind möglich? Wo gibt es Grenzen? Und wie können neue Ideen so entwickelt werden, dass sie zum besonderen Charakter von Bad Ems passen?
Gerade diese Fragen machten den Austausch besonders interessant. Denn die Jugendlichen erfuhren, dass Stadtentwicklung häufig bedeutet, unterschiedliche Interessen miteinander in Einklang zu bringen. Nicht jeder Wunsch lässt sich sofort erfüllen, und manche Vorhaben benötigen Zeit, Geld, Genehmigungen oder die Zusammenarbeit verschiedener Institutionen.
Demokratische Beteiligung bedeutet deshalb nicht nur, Wünsche zu äußern, sondern auch zuzuhören, Zusammenhänge zu verstehen, Kompromisse zu finden und gemeinsam nach realistischen Lösungen zu suchen.
Aus Ideen sollen gemeinsame Projekte werden
Der Besuch sollte jedoch nicht bei einem einmaligen Gespräch bleiben. Vielmehr wurden auch Möglichkeiten einer zukünftigen Zusammenarbeit zwischen der Schule und der Welterbe-Koordination erörtert.
Denkbar sind beispielsweise Projekte, bei denen sich die Jugendlichen mit der Geschichte und Gegenwart ihrer Stadt auseinandersetzen, besondere Orte aus ihrer eigenen Perspektive vorstellen oder Ideen entwickeln, wie das Welterbe auch für junge Menschen erlebbarer werden kann.
Dabei können ganz unterschiedliche Kompetenzen zusammenkommen: historische Recherche, kreative Gestaltung, digitale Medien, Befragungen, Präsentationen und die praktische Auseinandersetzung mit kommunalen Entscheidungen.
Das Projekt verbindet damit historische Bildung, Demokratieerziehung und die aktive Beschäftigung mit dem eigenen Lebensumfeld.
Jugendliche wollen nicht nur gefragt werden – sie wollen mitmachen
Besonders erfreulich ist das große Interesse der Schülerinnen und Schüler, ihre Vorstellungen nicht nur im Unterricht zu diskutieren, sondern auch nach außen zu tragen.
Ihre Beschäftigung mit Bad Ems zeigt, wie wertvoll es sein kann, junge Menschen frühzeitig in Fragen der Stadtentwicklung einzubeziehen. Sie betrachten ihre Heimat häufig aus einem anderen Blickwinkel als Erwachsene, erkennen Probleme des Alltags und bringen unvoreingenommene, kreative Lösungsvorschläge ein.
Zugleich lernen sie, dass gesellschaftliche Veränderungen Engagement, Geduld und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit erfordern.
Der Besuch von Julia Palotas war deshalb ein wichtiger Baustein des Projekts und zugleich ein motivierender Impuls für dessen weitere Entwicklung.
Die Realschule plus Bad Ems Nassau bedankt sich herzlich bei Julia Palotas für ihre Zeit, ihre Offenheit und den interessanten Austausch.
Denn die zentrale Botschaft der Schülerinnen und Schüler lautet:
„Wir lieben unsere Stadt. Genau deshalb möchten wir sie mitgestalten!“
Und vielleicht liegt gerade darin eine der wichtigsten Chancen dieses Projekts: Das Welterbe von Bad Ems nicht nur als wertvolles Erbe der Vergangenheit zu verstehen, sondern als gemeinsame Verantwortung für die Zukunft.
